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Gedanken zur Sicherheit bei Wikipedia

Kürzlich fragte mich Sebastian Wallroth, ob ich nicht eine Folge seines Podcasts Wikistammtisch mit gestalten könne. Natürlich sagte ich zu und so entstand die Folge 14 der Sendung.

Das Thema sollte Sicherheit und Wikipedia sein. In der Sendung konzentrierten wir uns auf die Wikipedianer, die Texte lesen und editieren wollen. Dies sollte allen Menschen auf der Welt möglich sein. Daher war Tor und offene Proxys einer unserer Diskussionspunkte. Weiterhin sprachen wir HTTPS bzw. TLS kurz an. Passwortsicherheit und Mailverschlüsselung waren weitere Punkte, die wir ansprachen. Ich hätte natürlich noch viel länger zu dem Thema erzählen können. :-) Einige Punkte will ich untenstehend kurz erläutern.

Sicherheit in der Wikipedia für Anwender

Die meisten Menschen nutzen die Wikipedia, um Artikel bzw. Lemmata zu lesen. Einige bearbeiten Artikel. Aber es gibt unter den Leuten, die ich als Anwender sehe noch weitere Rollen:

  • Sichter: Diese Leute haben durch ihre Mitarbeit einen Vertrauensstatus gewonnen und deren Änderungen werden automatisch sichtbar. Weiterhin können sie Änderungen anderen anschauen und diese Änderungen als frei von Vandalismus markieren. Dadurch wird die Version auch unangemeldeten Besuchern angezeigt (siehe Gesichtete Artikel).
  • Administrator: aus der Hilfeseite:
    Sie haben die Möglichkeit, Benutzer zu (aktiven) Sichtern zu machen, ihnen diesen Status zu entziehen, Benutzer zu sperren und solche Sperren wieder aufzuheben. Außerdem können sie einzelne Versionen einer Seite löschen, so dass diese nur noch für Administratoren einsehbar sind.

    Das heißt, diese Benutzergruppe hat besondere Rechte. und darf insbesondere auf personenbezogene Daten zugreifen.

  • Bürokrat: Diese dürfen andere Benutzerrollen vergeben. Insbesondere dürfen sie auch Personen zu Administratoren ernennen.
  • Checkuser: Dieser Personenkreis kann sehr tiefgreifende Änderungen vornehmen und diese sollten ihren Zugang entsprechend stark schützen.
  • Daneben gibt es noch weitere Rollen. Diese unterscheiden sich aus meiner Sicht nicht großartig von einem normalen angemeldeten Benutzer.

Nicht angemeldete Anwender

Personen, die die Wikipedia besuchen, ohne sich ein Benutzerkonto angelegt zu haben, haben einige Anforderungen bezüglich der IT-Sicherheit. So wollen sie bei der Eingabe der URL http://de.wikipedia.org/ auch auf der Wikipedia-Seite landen.

Nach der Eingabe der URL macht das System zunächst eine DNS-Abfrage und erhält die IP-Adresse zurück. Diese Antwort kann natürlich gefälscht werden. Hier wäre es sinnvoll, wenn die Anfrage schon in einer gesicherten Form zurückkommt, so dass zumindest Fälschungen erkannt werden. Ich verweise mal auf die 33. Sendung des Datenkanals zu DNSSEC.

Nun versucht der Browser die Wikipedia-Seite zu besuchen. Wie ich beim Wikistammtisch erwähnte, erfolgt der die Eingabe zumeist per HTTP. Die diversen Wikipedia.org-Seiten sind einigen Browsern vorab bekannt und werden sofort per HTTPS geladen. Dies geschieht ohne das jemand eingreifen muss. Sollte ein Browser dieses Vorwissen nicht haben, so sagt der Webserver der Wikipedia, dass der Browser zur HTTPS-Version der Webseite wechseln soll. Die HTTPS-Version ist von einer externen Stelle (Certificate Authority) bestätigt und so wird versucht sicherzustellen, dass sich niemand zwischen die Verbindung mogeln kann. Damit ist nun eine Verbindung zu einer Seite aufgebaut, wo Anwender sicher sein können, dass es sich um die Wikipedia handelt. Ausnahmen hatte ich im Podcast beschrieben.

Wenn sich Personen auf den Seiten der Wikipedia bewegen, wollen sie die Inhalte sehen und weder Werbung noch Schadsoftware erhalten. Hier hat der Serverbetreiber eine Verantwortung sich um die Sicherheit der Server wie auch der Anwendung zu kümmern. Hin und wieder kommt es vor, dass in Server eingebrochen wird, um Schadsoftware zu verteilen. Ähnliches passiert bei Werbenetzwerken. Auch da wird gern versucht, über Werbung Schadsoftware zu verteilen.

Weiter gibt es in den USA die »Expectation of Privacy«, die sich aus dem Vierten Verfassungszusatz ergibt. Auch in Deutschland haben wir ein starkes Datenschutzrecht. Hier wäre es interessant zu wissen, welche personenbezogenen Daten die Wikipedia speichert und natürlich wie lange. Derzeit wird von der Seite ein Cookie gesetzt, der zwei Monate Gültigkeit hat und nur über einen sicheren Kanal (HTTPS) übertragen wird. Weitere Cookies werden nach Beendigung der Browsersitzung gelöscht. Die Foundation hat eine längere Erklärung zu den Cookies. Wenn ein Artikel bearbeitet wird, so verbleibt die IP-Adresse im Logbuch der letzten Änderungen.

Angemeldete Benutzer

Wenn sich jemand entscheidet, ein Benutzerkonto anzulegen, kommen weitere Betrachtungen hinzu. Insondere stellt sich die Frage nach der Sicherheit des Passworts. Für mich ist hier wesentlich, dass das Wikipedia-Passwort verschieden zu anderen sein sollte. Was die Länge und die Gestalt des Passworts betrifft, sollte man sich überlegen, wie wichtig das Konto ist. Denn wenn jemand das Passwort errät, kann diese Person im Namen des andere Bearbeitungen durchführen und am Ende wird das Konto vielleicht gesperrt. Das heißt, der Schaden für normale Benutzer hält sich in Grenzen. Daher würde ich die Anforderungen an das Passwort nicht so hoch ansetzen.

Die Lage ändert sich, wenn jemand CheckuserAdministrator bzw. Bürokrat ist. Diese Rollen habenhat wesentlich mehr Rechte und der potenzielle Schaden ist größer. Daher würde ich erwarten, dass es bei diesen Rollen stärkere Anforderungen an das Passwort bzw. andere Authentifizierungsverfahren gibt.

Im Podcast sprachen wir das Thema Mail an. So bekommt ein angemeldeter Nutzer verschiedentlich Mails. Facebook hat eine Möglichkeit geschaffen, einen OpenPGP-Schlüssel in seinem Profil zu hinterlegen. Alle Mails von Facebook kommen dann automatisch verschlüsselt und signiert an. Dadurch ist es unter anderem recht einfach Spam von echten Facebook-Mails zu unterscheiden. Es wäre wundervoll, wenn Wikipedia auch diese Möglichkeit bieten würde.

Sicherheit in der Wikipedia für andere

Wie ihr seht, sind die obigen Betrachtungen schon recht lang geworden. Aber innerhalb des Wikipedia-Universums gibt es noch andere Personengruppen. So betreiben Administratoren die Server. Das heißt, sie pflegen die Hard- wie auch die Software. Welche Anforderungen müssen diese Personen erfüllen? Auch gibt es einen Personenkreis, der die Software programmiert. Hier kann man sich ebenfalls Gedanken zu den Anforderungen bezüglich der Sicherheit machen. Doch beides wird sehr lang und viel. Daher lagere ich das mal auf einen eventuellen zukünftigen Artikel aus.

Wunsch für die Zukunft

Im Rahmen meiner Überlegungen zur Sicherheit in und um die Wikipedia fiel mir noch ein großer Wunsch ein:

Es wäre phantastisch, wenn die Wikipedia als Tor Onion Service zur Verfügung stehen würde. Dies macht es gerade Leuten in zensierten Ländern viel einfacher, die Seiten zu erreichen. Die Webseite ist von einem Ende zum nächsten verschlüsselt und es macht es Angreifern viel schwerer, die Verbindung aufzubrechen. Unter anderem macht es Facebook mit der Seite https://facebookcorewwwi.onion/ vor. Aber auch DuckDuckGo (http://3g2upl4pq6kufc4m.onion/) sowie Debian und Tor selbst betreiben viele Seiten im Tor-Netz. Daher wäre Wikipedia ein wundervolles Beispiel für einen weiteren Tor Onion Service, der vermutlich vielen Menschen großen Nutzen bringt.

Update: In der Diskussion wies mich Raymond darauf hin, dass Administratoren doch nicht die großen Rechte haben, die ich vermutete. Diese sind erst bei Checkusern gegeben. Daraufhin habe ich den Artikel angepasst.

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